Passwort vergessen?
Registrieren

Opatija

Opatija [ɔˈpatiaː] (italienisch: Abbazia [aba'zia], deutsch: Sankt Jakobi ) ist ein Seebad an der Kvarner-Bucht bzw. auf der Halbinsel Istrien im Nordwesten Kroatiens. Einst war es mondänes Seebad und Winterkurort der Donaumonarchie.

Im deutschen Sprachraum kann der deutsche Name Sankt Jakobi als ausgestorben angesehen werden. Lange Zeit wurde die italienischsprachige Bezeichnung Abbazia noch fast so häufig verwendet wie der kroatische Name Opatija. Ursache dürfte sein, dass der Ort in den letzten Jahrzehnten der Donaumonarchie offiziell den italienischsprachigen Namen Abbazia trug. Inzwischen hat sich allerdings der heutige Name Opatija auch in deutschen Texten weitgehend durchgesetzt. Er leitet sich von der kroatischen Bezeichnung für Abtei ab.

Zwischen 1422 und 1431 gründeten Benediktinermönche aus der friulanischen Abtei St. Peter in Rosazzo das kleine Kloster Abbazia San Giacomo al palo („Abtei Sankt Jakob am Stöckchen“), das bald unter den häufigen Einfällen der Türken und Venezianer zu leiden hatte.[1] 1560 übernahmen die Augustiner von Rijeka und 1723 die Jesuiten des Fiumaner Seminars die Abtei.[1] Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1783 wurde der größte Teil der Klostergründe an Private verkauft.[1] Zu Beginn der 1840er-Jahre kaufte der Holz- und Weizenhändler Iginio Scarpa (1794–1866) aus Rijeka das Terrain rund um das Abteigebäude und errichtete neben einem Park eine Sommerresidenz, die er nach seiner im Jahr 1832 verstorbenen Frau Angiolina benannte.[1]

Entscheidenden Anteil an dem Aufschwung des Kurortes hatte die österreichische Südbahngesellschaft, deren 1873 eröffnete Zweigstrecke Pivka–Rijeka nahe Opatija vorbeiführte. Unter ihrem Direktor Friedrich Julius Schüler, der auch den Semmering bei Wien zum internationalen Kurort ausbaute, erstand sie 1882 die Villa Angiolina samt den dazugehörigen Parkanlagen und weiteren Baugründen.[2] Unverzüglich wurde mit der Bauplanung begonnen, wobei die berühmten Seebadeorte an der Côte d’Azur wie Monte Carlo, Menton, Nizza oder Cannes als Vorbilder dienten.[2] Schüler, der zuerst einen reinen Hotelbetrieb geplant hatte, entschied sich nach Besprechungen mit den Ärzten Julius Glax, Max Joseph Oertel und Theodor Billroth, die im Oktober 1885 in Opatija stattfanden, für die Schaffung eines Kurorts mit entsprechenden kostenintensiven medizinischen Einrichtungen.[3] Julius Glax wurde im Oktober 1887 zum „dirigierenden Arzt der Kuranstalten der k. k. privilegierten Südbahn-Gesellschaft“ und sollte über 30 Jahre lang den Aufstieg Abbazias zum Weltkurort entscheidend mitgestalten.[3]

Der rasche Aufstieg Abbazias ist nicht zuletzt der Solidarität zu verdanken, mit der das Kaiserhaus das Projekt der Südbahngesellschaft unterstützte.[4] Als erstes Mitglied der kaiserlichen Familie besuchte Albrecht von Österreich-Teschen, siegreicher Feldmarschall in der Schlacht bei Custozza (1866), das neue Abbazia im Herbst 1884.[4] Am 27. März 1885 kamen Kronprinz Rudolf von Österreich-Ungarn und seine Gattin Stephanie von Belgien zu einem Kurzbesuch nach Opatija, bei dem Schüler die Erlaubnis erhielt, das zweite, noch in Bau befindliche Südbahnhotel Kronprinzessin Stephanie zu nennen, was die Beliebtheit von Abbazia weiter ansteigen ließ.[4] Der Mittelmeer-Forscher Ludwig Salvator von Österreich-Toskana traf an Bord seiner Yacht Nixe im Frühsommer 1885 am Quarnero ein und verbrachte dort den Sommer mit landeskundlichen Arbeiten, die er ein Jahr später in seinem Werk Lose Blätter aus Abazia veröffentlichte.[5]

Durch kaiserliches Dekret vom 4. März 1889 wurde Opatija zum ersten heilklimatischen Kurort an der österreichischen Adriaküste erhoben.[3] Adel, darunter viele gekrönte Häupter aus ganz Europa und das Großbürgertum machten es zu einem auch international bekannten Seebad. Am 29. März 1894 trafen sich Kaiser Franz Joseph I. und der deutsche Kaiser Wilhelm II. in Opatija.[6] Weitere hochadelige Kurgäste waren Kaiserin Elisabeth von Österreich, die deutsche Kaiserin Auguste Viktoria, König Carol I. und Königin Elisabeth von Rumänien, Georg I. von Griechenland, Albert von Sachsen, Wilhelm IV. von Luxemburg, Nikolaus von Montenegro sowie „einem Glück verheißenden Doppelgestirn gleich“ (Lokalpresse) das österreichisch-ungarische Kronprinzenpaar Rudolf und Stephanie.

1897 wurde die Wasserleitung von den Hochquellen des Monte Maggiore in Betrieb genommen, die das Problem mit den südlich von Abbazia gelegenen Klara-Quellen beseitigte, die unter gewissen Seewasserständen Brackwasser lieferten.[7] Der 1897 projektierte Bau des Kanalisationsnetzes wurde 1907 fertig gestellt.[7] Waren bis dahin die Kurgäste mit Kutschen vom fünf Kilometer entfernten Bahnhof Opatija-Matulji nach Opatija befördert worden, so führte von 1908 bis 1933 eine elektrische Straßenbahn nach Opatija und weiter bis Lovran[8].

Ab 1908 forcierte die Kurverwaltung den Bau von einfacheren und preiswerteren Domizilen, um auch anderen sozialen Schichten den Aufenthalt zu ermöglichen. Anders als im ebenfalls österreichischen Seebad Grado in der Grafschaft Görz und Gradisca durften Damen und Herren in den Badeanstalten von Opatija gemeinsam das Meerwasser genießen. Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit „Ruder-Disciplinen“, Fechtturnieren, „Pistolenschieß-Konkurrenzen“, Wettschwimmen, Segel-Regatten, täglichen Kurkonzerten sowie Ausflugsfahrten mit Eildampferlinien zu den Küstenstädten und größeren Inseln des Österreichischen Küstenlandes sorgte für Unterhaltung und Kurzweil bei den Kurgästen.

Mit seiner Fülle an Architektur im Stil des Historismus ist Opatija das bedeutendste Beispiel eines mondänen Seebades der österreichischen Riviera mit dem architektonischen Flair aus der Zeit der Donaumonarchie. Die Architektur vieler Hotels, Pensionen und Villen trägt Merkmale verschiedener historischer Neostile mit vereinzelten Beispielen des Jugendstils; das mediterrane Aussehen verleihen den vielfach von Carl Seidl errichteten Bauten die gegliederten Fassaden, die Größe und Öffnungen (Balkons, Loggias) sowie die Fassadendekoration. Dazu kontrastiert als einziger, größerer modernere Bau das aus den 1960er Jahren stammende Hotel Ambasador (Architekt Zdravko Bregovac).

Die Ursprünge des Fremdenverkehrs gehen auf das Jahr 1844 zurück, als der wohlhabende Kaufmann Iginio Scarpa aus Rijeka die nach seiner früh verstorbenen Frau benannte Villa Angiolina als Sommerfrische erbaute. Der Naturliebhaber ließ einen großen Park mit einer Vielzahl exotischer Pflanzen anlegen. Beginnend in den 80er Jahren des 19. Jh. wurde eine Reihe von Grand Hotels, Pensionen, Villen, Sommerhäusern, Sanatorien („Cur-Häuser“), Pavillons, Badeanstalten, Promenaden und Parks errichtet. Das erste Hotel war 1884 das Hotel Quarnero (heute Hotel Kvarner), unmittelbar danach (1885) entstand das heutige Hotel Imperial (Opatija), damals nach Kronprinzessin Stephanie benannt.