Passwort vergessen?
Registrieren

Rijeka

Rijeka [ˈrijɛːka] (italienisch Fiume) ist eine Hafenstadt an der Kvarner-Bucht in Kroatien. Der Stadtname leitet sich von einem Kastell und einer Kirche am Fluss Rječina (lat. Flumen Sancti Viti „St. Veitsstrom“) im heutigen Stadtteil Trsat ab.Der Ortsname bedeutet im Kroatischen, Slowenischen und Italienischen jeweils „Fluss“. Auch der Bestandteil Flaum oder Pflaum im ehemaligen deutschen Ortsnamen ist abgeleitet vom lateinischen flumen für „Fluss“.

Rijeka ist die Hauptstadt der Gespanschaft Primorje-Gorski kotar (kroatisch: Primorsko-goranska županija) und Sitz der katholischen Erzdiözese Rijeka.

Die Hafenstadt Rijeka liegt an der gleichnamigen Bucht (kroatisch: Riječki Zaljev), die das Nordende der inselreichen Kvarner-Bucht bildet, an der Mündung des Rječina, der durch die Stadt in die Adria fließt. Der heutige Name des Flusses leitet sich von dem der Stadt ab, der er ursprünglich den Namen gab.

Die mittlere Lufttemperatur beträgt im Januar 5,9 °C und im Juli 23,5 °C, die jährliche Lufttemperatur 14,3 °C, die jährliche Niederschlagsmenge 1548 mm. Insgesamt gibt es 86 Regentage im Jahr. Im Durchschnitt scheint die Sonne 2120 Stunden im Jahr.

In Rijeka sind Spuren gefunden worden, die bis in das Paläolithikum (Steinzeitalter) und das neolithische Zeitalter zurückreichen. Im prähistorischen Zeitalter (Bronze- und Eisenzeit) bauten vermutlich die Kelten um die Hügel Befestigungen. Sie verbanden die 5 Hügel (Solin, Martinšćica, Trsat, Velivrh und Gradišće) mit Erdwällen. Ein Überbleibsel aus dem Keltischen dürfte das Wort Tarsa (Trsat) sein, das Berg bedeutet, evtl. Berg am Fluss.

Um diese Wallbauten konnte sich eine Siedlung mit einem Hafen entwickeln. Die Kelten wurden von den Illyrern verdrängt oder haben sich mit ihnen vermischt. Der Stamm der illyrischen Liburner lebte vorwiegend entlang der Küste und baute den Hafen aus, im Hinterland siedelten die Iapoden, auf die die Befestigung des Hügels Trsat jenseits des Flusses Riječina zurückgehen soll.

Die Illyrer nutzten den Hafen für ihre seeräuberischen Aktivitäten in der Adria. Sie waren damals bekannt als Seefahrer, Schiffbauer und Seeräuber; zu dieser Zeit nannten sie die Ortschaft Liburna.

Liburna war den Römern damals ein Dorn im Auge, da von hier zahlreiche Angriffe auf die römischen Handelsschiffe in der Adria ausgingen. Die Römer führten verschiedene Kriege gegen die Illyrer, dabei eroberten sie die Siedlung um 180 v. Chr. Die Römer verlagerten die bisherige Siedlung näher an das Meer, an die heutige Stelle der Altstadt.

In der Antike wurde die Stadt Tarsatika genannt und war vermutlich bereits zu dieser Zeit in zwei Kommunen geteilt. Tarsatica Romana (Rijeka) war die Hafenstadt und Tarsata Liburna (Trsat) die Burgstadt. Die Römer bauten auf dem Trsat später eine Beobachtungsstation. Heute findet man noch Überreste der römischen Siedlung, unter anderem Ruinen der Thermen, ein römisches Tor, Teile der römischen Stadtmauer sowie Mauerreste römischer Häuser.

1465 kaufte Friedrich III. die Stadt von den Herren von Walsee; die Stadt wurde St. Veit am Flaum genannt. Bis 1918 gehörte St. Veit am Flaum oder Fiume, wie sie die meiste Zeit genannt wurde, mit kurzen Unterbrechungen zum Reich der Habsburger. Unter den Habsburgern entwickelte sich Fiume zur Rivalin von Venedig, die Habsburger bauten Fiume neben ihrem Haupthafen Triest konstant aus.

1509 wurde Fiume unter der Führung des Condottiero Melchiorre (?) Trevisan von den Venezianern kurzfristig erobert, dabei wurde die Stadt geplündert, angezündet und teilweise zerstört.

Mit der Thronbesteigung der Habsburger in Ungarn wurde Rijeka 1526 Teil der Länder der Stephanskrone. In der Folgezeit wurde es aber meist von Graz aus regiert (siehe Innerösterreich). 1530 entstand die erste Druckerei im Ort.

1595 erreichten osmanische Truppen die Ebene von Grobnik und standen damit in der Nähe von Fiume.

Im 16. Jahrhundert blühte die Stadt auf; in dieser Epoche entwickelten sich in Fiume Manufaktur, Handel, Kunst und das Schulwesen. 1626 wurde das Jesuitengymnasium gegründet, das erste an der Adria; es besteht ohne Unterbrechung bis heute. Während dieser Zeit entstand das Fiume der Renaissance und des Barock. Zugleich kam es immer wieder zu Angriffen der Osmanen, Fiume aber fiel nie in ihre Hände.

Kaiser Karl VI. führte 1717 die merkantilistische Wirtschaftspolitik ein; dies ermöglichte den freien Schiffsverkehr in der Adria. 1719 wurde der Hafen von Fiume zusammen mit dem Hafen Triest zum Freihafen erklärt, es entwickelten sich Industrie, Seefahrt und Handwerk. 1725 wurde die erste Verkehrsstraße gebaut, die Wien mit der Adria verband (Karolina).

1750 wurde Fiume wochenlang von mehreren Erdbeben erschüttert, teilweise dürften sie sehr heftig gewesen sein. Dabei wurde auch die Burg Trsat beschädigt. Nach dem Erdbeben wurde eine Zuckerraffinerie (1750–1828) gegründet, später folgten die Papiermühle (1823) und die Torpedofabrik (1873) für die k.u.k Seeflotte.

Mit einer Verfügung Maria Theresias wurde Fiume 1779 ein Corpus separatum, eine eigenständige, autonome Körperschaft. Damit wurde die Stadt direkt der Habsburger Krone unterstellt.

Die Franzosen nahmen 1805 Fiume ein und gliederten es an das Königreich Italien (1805–1814) an. Eine besondere Rolle während dieser Zeit spielte die Gemahlin eines Kaufmanns von Rijeka, Karolina von Rijeka. Sie rettete die Stadt zur Zeit der napoleonischen Kriege, indem sie bei Verhandlungen mit einem englischen Admiral ihren weiblichen Charme nutzte. Dank Karolina wurde angeblich nur ein einziger Schuss aus einer Kanone Richtung Fiume abgefeuert. Die Kanonenkugel steckt heute noch in einer Hauswand in Fiume.

1815 übernahmen die Habsburger, nach sechsjähriger Zugehörigkeit der Stadt zu Italien, erneut die Macht.

1848 eroberte Ban Josip Jelačić Fiume (Rijeka), er setzte die Stadtregierung ab und gründete die Gemeinde Rijeka. 1855 wurde der Hafen komplett modernisiert, dabei wurde der Fluss Riječina in ein neues Bett verlegt. Nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich 1867 war es als Freie Stadt Teil der ungarischen Reichshälfte (siehe Fiume város). Fiume war zur Zeit des Königreiches Ungarn auch Sitz des Komitats Modrus-Fiume.

1867 wurde Fiume (Rijeka) der Haupthafen für ungarische Waren; unter der ungarischen Leitung blühte der Hafen auf. Dies dauerte bis in den Ersten Weltkrieg. 1870 übernahm die ungarische Regierung die Verwaltung Fiumes. Zwischen 1870 und 1910 verdoppelte sich die Bevölkerungszahl auf 50.000 Einwohner. 1871 erfolgte die Eröffnung von Banken (u. a. Riječka Banka) und Gründung von Dampfschifffahrtsaktiengesellschaften. Durch die ganze Stadt fuhren Straßenbahnen, es gab 22 Konsulate, 20 Hotels und 9 Kinos.

1873 wurden Bahnlinien nach Ljubljana und Zagreb, Wien und Budapest, 1874 nach Triest eröffnet. 1882 wurde in Rijeka eine der ersten Ölraffinerien in Europa gegründet. Ab 1883 lebte der österreichische Erzherzog Joseph Karl Ludwig mit seiner Frau in der Villa Nadvojvodina. 1899 erhielt Rijeka elektrische Straßenbahnen, welche die einzelnen Stadtteile untereinander verbanden.

Im 19. Jahrhundert war Fiume (Rijeka) der achtgrößte Hafen Europas mit einem Umsatz von 2,1 Millionen Tonnen; in der größten Tabakfabrik des Königreichs waren 2400 Arbeiter beschäftigt, in der Papierfabrik wurde die erste Dampfmaschine Südosteuropas installiert; es waren mehr als 20 große Betriebe und Schiffswerften registriert. Hier wurde auch die einzige Militär-Seefahrts-Akademie der Kriegsmarine im Kaiserreich errichtet (heute Gebäude des Krankenhauses in Rijeka).

Das Museum Nuget wurde im Kastell von Trsat eröffnet, das erste Museum in Kroatien. Andrija Ljudevit Adamić (Andrea Lodovico Adamich) (1766–1828), ein Händler jüdischer Abkunft und verdienstvoller Kulturförderer, ließ 1805 ein Theater für 1600 Zuschauer bauen, das zu den größten in Europa zählte, aber später abgerissen wurde.

In Fiume (Rijeka) wurde der erste schraubenbetriebene Torpedo durch den einheimischen Ingenieur Ivan Lupis-Vukić (italienisch Giovanni Luppis) entwickelt. Die Fabrik „Torpedo“ (ehemals Whitehead-Werft) besteht heute noch. Zusammen mit dem Ingenieur Robert Whitehead wurde der Torpedo so weiterentwickelt, dass er auch effektiv eingesetzt werden konnte. In Fiume (Rijeka) wurden neben zahlreichen Schiffen auch die ersten U-Boote für die k.u.k. Kriegsmarine gebaut.

1910 wurde Rijeka Komitatssitz und Hauptort des gleichnamigen Komitats im Königreiche Ungarn. Die Stadt hatte zu jener Zeit ca. 30.000 Einwohner verschiedenster Nationen und eine Fläche von 1,957 km². Der Erste Weltkrieg brachte Rijeka einen starken Niedergang. Im Londoner Vertrag von 1915 (Geheimvertrag) wurde Italien bei einem Sieg der Alliierten zwar die Annexion von Istrien und Dalmatien erlaubt, Rijeka wurde davon aber ausdrücklich ausgenommen. Die Blockade von Otranto durch die Alliierten brachte den Hafen von Rijeka zum Stillstand.